Stift, Lehrling, Azubi – Ausbildung von 1945 bis heute

Veröffentlicht am 31.05.2019 09:35 von Redaktion

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“Stift, Lehrling, Azubi – Ausbildung von 1945 bis heute” (02.06. – 31.10.)

Neue Sonderausstellung im LWL-Freilichtmuseum Hagen

Auszubildende des 1., 2. und 3. Lehrjahrs in einem Tischlerbetrieb in Dortmund, 1952.
Privatbesitz, Reproduktion: LWL-Freilichtmuseum Hagen, Heike Wippermann

Hagen (lwl). Die Sonderausstellung “Stift, Lehrling, Azubi – Ausbildung von 1945 bis heute” im Hagener Freilichtmuseum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) beleuchtet den Weg von der Berufsfindung bis zum Abschluss der Gesellenprüfung. Aber nicht nur das, sondern auch aktuelle Fragen rund um die Ausbildung in Handwerk und Gewerbe sind Thema.

Die öffentliche Diskussion um das Thema Ausbildung wird insbesondere für Handwerksberufe sehr lebhaft geführt. Es geht um Prestige, Bezahlung, schmutzige Hände und Zukunftschancen. “Das LWL-Freilichtmuseum Hagen widmet sich so intensiv wie kein anderes Museum in Deutschland der Geschichte von Handwerk und Technik. Daher greift es erstmals diesen wichtigen Abschnitt im Berufsleben auf und präsentiert ihn in einer Ausstellung. Es sieht sich als Landesmuseum in der Pflicht, nicht nur den Blick in die Vergangenheit zu richten, sondern darüber hinaus einen Beitrag zu zeitgenössischen und hochaktuellen gesellschaftlichen Diskussionen zu leisten”, betont LWL-Direktor Matthias Löb.

Berthold Schröder, Präsident der Handwerkskammer Dortmund, sagt dazu: “Das LWL-Freilichtmuseum Hagen leistet mit seiner Forschungsarbeit einen wichtigen Beitrag zur Bewahrung von Handwerksgeschichte und -techniken und zeigt dabei, wie sich unser Wirtschaftsbereich über Dekaden als Innovationstreiber erwiesen hat.” Und sein Amtskollege Willy Hesse, Präsident der Handwerkskammer Südwestfalen, fügt hinzu: “Seit vielen Jahren unterstützen wir gern die Arbeit des LWL-Freilichtmuseums, das mit seinen Ausstellungen wichtige Beiträge so-wohl im Rahmen der Handwerksforschung leistet, als auch das Handwerk ins Bewusstsein der Besucher rückt.”

Bäckerlehrlinge im Jahr 1952 auf einem Ausflug mit der Berufsschule.
Foto: Karl Ruhmöller, Münster

“Wichtig ist, dass eine gute Ausbildung die Basis für ein gelingendes Arbeitsleben ist”, so Löb beim Pressetermin vor Eröffnung der Ausstellung, “auch für den Landschaftsverband ist es selbstverständlich auszubilden”. Dennoch fehle inzwischen der Nachwuchs an Fachkräften.
“Bezeichnend für das aktuelle Phänomen ist ein großflächiger Bedarf an Fachkräften, der sich über nahezu alle Branchen im Handwerk spannt”, erläutert Schröder, “das ist eine brisante Entwicklung, denn der Fachkräftemangel gefährdet mittlerweile den Betriebsbestand im Hand-werk”.
“Wenn das Handwerk wieder mehr Wertschätzung erfährt, und dazu tragen solche Ausstellungen bei, können wir dem Trend zum Studium noch mehr entgegensetzen und den aktuellen wie künftigen Fachkräftemangel, den es vergleichbar so nur in den ersten Nachkriegsjahren gegeben hatte, wirksam bekämpfen”, ergänzt Hesse.

Ausgangspunkt der Ausstellung im Freilichtmuseum Hagen sind persönliche Objekte von Handwerkerinnen und Handwerkern verschiedener Generationen und Gewerbe. Die Kontakte entstanden durch Aufrufe und durch die Unterstützung der westfälischen Handwerkskammern, Innungen, der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer (SIHK) und des Deutschen Handwerkerblatts. Hinzu kommen persönliche Geschichten, die Aspekte der Ausbildung lebendig und anschaulich machen: In “Ich werde Schneiderin oder nix!” erzählt beispielsweise eine Herrenschneiderin aus Hagen-Hohenlimburg über ihre Berufswahl.

In jeder Generation stehen junge Menschen gegen Ende ihrer Schulzeit vor der grundlegenden Entscheidung: Welchen beruflichen Weg soll ich einschlagen? Ist die Ausbildung im Handwerk eine Option? Die Entscheidung liegt nicht allein bei den Jugendlichen, sondern ist geprägt von familiären, wirtschaftlichen, sozialen und politischen Rahmenbedingungen. Seit den 1950er-Jahren wurden viele Informations- und Beratungsangebote entwickelt, um einen passenden Beruf zu finden.

So folgt die Ausstellung inhaltlich dem Weg von den ersten Überlegungen zur Berufswahl bis zur feierlichen Verleihung des Gesellenbriefes. “Ein schönes Beispiel ist das des Buchbinder-meister aus Münster, der seinem Enkel zur Geburt eine Kinderschürze schenkte, im typischen Grün der Buchbinderschürzen. Der Großvater hoffte, dass der Kleine später ebenfalls Buchbinder würde”, erzählt die stellvertretende Museumsleiterin Dr. Anke Hufschmidt. “16 Jahre später ging sein Wunsch tatsächlich in Erfüllung. Er bekam die Schürze mit einem Bewerbungsschreiben von seinem Enkel unter den Weihnachtsbaum gelegt.”
Die liebevoll aufbewahrten Gesellenstücke veranschaulichen die unterschiedlichen Aspekte der Berufsausbildung. Da ist das erste eigene Werkzeug, die Haarschneideschere einer Friseurmeistern aus Bielefeld oder die Berichtshefte der Lehrzeit eines Orthopädiemechanikers aus Iser-lohn.

Die privaten Objekte zeigen die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen, die seit dem Zweiten Weltkrieg abwechselnd vom Lehrlings- oder Lehrstellenmangel geprägt wurden. Die unterschiedlichen Diskussionen um die Verbesserung der Ausbildung in den 1960er-Jahren wird genauso thematisiert, wie persönliche Stolpersteine, die zum Abbruch einer Ausbildung geführt haben. “Die Ausbildung im Handwerk ist ein Spiegel der technischen und gesellschaftlichen Veränderungen unserer Branche. In den letzten Jahren machen sich vor allem die großen Umwälzungen bemerkbar, die mit der Digitalisierung in das Handwerk eingezogen sind”, sagt Schröder.

Diskussionen und Auseinandersetzungen zwischen Handwerkskammern, Betrieben, Auszubildenden und ihren Vertretungen führten in den 1980er Jahren zum dualen Ausbildungssystems. Die duale Ausbildung ist die weltweit einmalige Verbindung von paralleler praktischer und theoretischer Ausbildung in Betrieb und Fachschule. Die Ausstellung zeigt auch die schulische Seite dieses Erfolgsmodells und die Veränderungen in den Berufs- und Fachschulen oder in den Berufsbildungszentren. “Die Ausbildung im Handwerk legt ein berufliches Lebensfundament, das schon immer viele Chancen eröffnete – heute sogar bis hin zum Studium. Diese Spannbreite gab es früher nicht und das zeigt, dass das Handwerk moderne und zukunftsorientierte Ausbildung leistet”, so Hesse.

“Hands on”/Aktivitäten in der Ausstellung:
In der Ausstellung haben die Besucher die Möglichkeit wie früher in historischen Medien, wie Kalendern und Fachzeitschriften, und auch Recherche mit modernen Medien, speziellen Apps und im Internet nach einem passenden Beruf zu suchen.
Schriftliche Bewerbungen waren lange Zeit nicht üblich, der persönliche Kontakt war meist und ist auch heute oft entscheidend für die Aufnahme in ein Ausbildungsverhältnis. Wenn es zum Bewerbungsgespräch kommt – was zieht man dann an? Spielerisch lässt sich das richtige Outfit für Sie und Ihn an einer Mitmachstation ausprobieren.
Und wenn es endlich geklappt hat und der ersehnte Lehrvertrag unterschrieben ist – auch in der Ausstellung zu sehen – stellt sich die Frage: Welche Rechte und Pflichten haben Azubis und Ausbildende? Dieses etwas trockene Thema können die Besucher experimentell an einer “Rechte und Pflichten-Waage” ausprobieren.
Mit den persönlichen Geschichten und an den zahlreichen Mitmachstationen bietet die Ausstellung Orientierungspunkte für jüngere Menschen und Erinnerungsmomente für die ältere Generation. So können Jung und Alt ausprobieren: eigne ich mich für einen handwerklichen Beruf? Oder die Besucher prüfen ihr Farbsehvermögen, testen ihre Geduld oder ihre Feinmotorik. Wie steht einem die traditionelle Kleidung des Dachdeckerhandwerks? Das spezielle Outfit lässt sich an einer Selfie-Station überprüfen und anschauen.
Am Ende eines Rundganges durch die Ausstellung steht das “Spiel des Berufslebens”. Dieses Spiel eröffnet Einblicke in mögliche Berufs- und Lebenswege nach der Ausbildung und den sehr unterschiedlichen beruflichen Möglichkeiten. Bei der Familienrallye entdeckt die Familie gemeinsam die Ausstellung und besteht mit Hilfe der Museumskatze “Mäcki” eine “Gesellenprüfung” im Museumsentdecker-Handwerk. Die Rallyeaufgaben sind an der Kasse und im Museumsshop erhältlich.
Ebenso gibt es dort eine Ausstellungspublikation mit 48 Seiten, zahlreichen Abbildungen. Sie ist im Format DIN-A-4 und ist wie ein Lehrlingsberichtsheft gestaltet.
Die Museumspädagogen haben zur Ausstellung verschiedene thematisch passende Ferienprogramme und Führungen entwickelt.

 

Pressekontakt:
Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235 und Uta Wenning-Kuschel, LWL-Freilichtmuseum Hagen, Telefon: 02331 780-7113, Handy: 0151 40635972,
presse@lwl.org

 

LWL-Einrichtung:
LWL-Freilichtmuseum Hagen
Westfälisches Landesmuseum für Handwerk und Technik
Mäckingerbach
58091 Hagen-Selbecke
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