Ausbildungsplatz sucht Auszubildende – viele Chancen für Bewerberinnen und Bewerber

Veröffentlicht am 03.09.2022 14:28 von Redaktion

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| Kammern und NRW Arbeitsagentur blicken auf den Ausbildungsmarkt: 

Zum Start des Ausbildungsjahres blickten Kammern und NRW Arbeitsagentur gemeinsam auf den Ausbildungsmarkt: Die Folgen der Corona-Virus-Pandemie sind noch spürbar, gleichzeitig verändert sich der Ausbildungsmarkt. Insbesondere bei der Zahl der Jugendlichen, die sich für eine duale Berufsausbildung interessieren, wird dies sichtbar. Während die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber um eine Ausbildungsstelle weiterhin rückläufig ist, gibt es auf der anderen Seite wieder mehr Ausbildungsstellen in NRW.

Gemeinsam haben der Westdeutsche Handwerkskammertag (WHKT), die Industrie- und Handelskammern in NRW (IHK NRW), der Verband Freier Berufe NRW und die Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit am Freitag (2.9.) eine erste
Zwischenbilanz zum Ausbildungsstart gezogen.

Vor allem mit Blick auf den Fachkräftebedarf war die gemeinsame Botschaft aller Beteiligten: Die Chancen, für junge Menschen einen Ausbildungsplatz zu finden sind in NRW so gut, wie schon lange nicht mehr. Eine duale Ausbildung bietet beste Möglichkeiten für einen erfolgreichen Start in eine berufliche Zukunft.

»Es ist erfreulich, dass sich nach zwei, durch Corona sehr schwierigen Jahren, der Ausbildungsmarkt in NRW immer mehr stabilisiert und insgesamt mehr Stellen gemeldet wurden – es bieten sich also beste Chancen für junge Menschen, die eine Ausbildung beginnen wollen«, so Torsten Withake, Chef der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit (BA) bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit IHK NRW, WHKT und dem Verband Freier Berufe.

Dies sei umso wichtiger, da schon heute gut ausgebildete Fachkräfte fehlen, wie insbesondere die vergangenen Monate gezeigt hätten. Für die Zukunftsfähigkeit der Wirtschaft in NRW sei es wichtig, durch die duale Ausbildung den Fachkräftebedarf mit
einer längerfristigen Perspektive zu sichern, so Arbeitsmarktexperte Withake.

»Die beste Fachkraft, die ein Betrieb oder ein Unternehmen gewinnen kann, ist eine, die ich selbst ausgebildet habe. Dass Ausbildung eine der besten Investitionen in die Zukunft eines Unternehmens ist, wissen die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber in NRW. Das hat sich auch in der schwierigen Zeit der Corona-Pandemie gezeigt. Die Zahl der Ausbildungsverträge ist in dieser Phase zum Teil zwar spürbar zurückgegangen, doch die grundsätzliche Bereitschaft, auch bei unsicheren Rahmenbedingungen auszubilden, war auch während der Pandemie in NRW hoch. Wir sehen das auch aktuell, denn die Zahl der angebotenen Ausbildungsplätze steigt wieder«, so Torsten Withake.

Eine Herausforderung sei jedoch, dass gleichzeitig die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber rückläufig ist. So haben sich seit Beginn des Berufsberatungsjahres 101.564 Bewerberinnen und Bewerbern auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz bei den Agenturen für Arbeit in NRW gemeldet, das waren noch einmal 2.500 Menschen oder 2,4 Prozent weniger als im Vorjahr.

Vergleicht man diese Zahlen mit dem August 2019, der nicht von Corona beeinflusst war, so wird der sinkende Trend bei den Bewerberinnen und Bewerbern noch einmal deutlicher. Damals waren 124.519 Jugendliche gemeldet, fast 23.000 mehr als im aktuellen August.

Das liegt zum einen daran, dass aktuell deutlich weniger Schülerinnen und Schüler die Schulen verlassen als noch vor einigen Jahren. War der Markt in NRW bisher davon geprägt, dass es weniger Ausbildungsstellen als Bewerberinnen und Bewerber gab, wandelt sich der aktuelle Ausbildungsmarkt Schritt für Schritt in einen Bewerberinnen- und Bewerber-Markt.

Aber auch Corona wirkt noch nach. »Wir sehen bei den Jugendlichen, dass die Corona- Pandemie und die damit verbundenen Unsicherheiten dazu geführt haben, dass viele junge Menschen auf eine vertraute Lebenssituation setzen und sich für einen weiteren Schulbesuch entschieden haben oder auch mehr junge Menschen ein Schuljahr wiederholen müssen«, so Withake. »Das macht die Herausforderungen für Unternehmen nicht kleiner.«

Gleichzeitig trifft das rückläufige Bewerberpotential auf ein steigendes Ausbildungsplatzangebot. Die Anzahl der gemeldeten Ausbildungsstellen hat nach zwei durch Corona schwächeren Jahren wieder deutlich aufgeholt. Bis Ende August wurden in NRW insgesamt 110.945 Ausbildungsstellen gemeldet, 4.681 Stellen oder 4,4 Prozent mehr als im August vergangenen Jahres.

Der Wandel zum Bewerberinnen- und Bewerber-Markt bedeute auf der einen Seite, dass es mehr Chancen für die Jugendlichen gebe. Also für junge Menschen eine gute Nachricht. Doch gleichzeitig schauten Kammern und Arbeitsagentur beim gemeinsamen Pressegespräch auch auf die Frage, wer die Fachkräfte von morgen sein werden.

Ralf Stoffels, Präsident der Industrie und Handelskammern NRW
»Das Plus von mehr als 5 Prozent an neuen Ausbildungsverträgen in Industrie, Handel und Dienstleistungen stimmt uns optimistisch. Als Unternehmen zeigen wir damit, trotz der vielfältigen Herausforderungen, wie wichtig uns der Fachkräftenachwuchs ist. Es freut uns, dass viele jungen Menschen in diesem Jahr die Chance ergriffen haben, den ersten Karriereschritt direkt in der betrieblichen Praxis zu beginnen. Das ist eine gute Entscheidung. Nach der Ausbildung bestehen zudem vielfältige Möglichkeiten, sich zum Bachelor- oder Master Professional weiterzuqualifizieren. Auch aktuell gibt es Ausbildungsangebote mit einem Start noch in diesem Jahr. Die IHKs vor Ort helfen gerne mit Beratung weiter. Tipps gibt es auf www.mach-eine-Ausbildung.de

Berthold Schröder, Präsident des Westdeutschen Handwerkskammertags
»Einen Einstieg über die betriebliche Erstausbildung im Handwerk bietet beste berufliche und persönliche Perspektiven am Arbeitsmarkt. Wir qualifizieren junge Menschen zu Fachkräften, Führungskräften sowie auch zu Unternehmerinnen und Unternehmern. Mit dem Mensch im Mittelpunkt und einem familienfreundlichen Umfeld bieten die kleinen und mittelständischen Betriebe des Handwerks sowohl Schulabgängerinnen und Schulabgänger als auch Studienzweiflerinnen und Studienzweiflern sinnstiftende Berufe und die Möglichkeit, an der Realisierung unserer Klimaziele aktiv mitzuwirken.«

Bernd Zimmer, Vorsitzender Verband Freier Berufe NRW
»Die duale Berufsausbildung bietet jungen Menschen eine exzellente Perspektive für den Einstieg ins Berufsleben. Sie werden zu Fachkräften ausgebildet und tragen in den Teams der Apotheken, Büros, Kanzleien und Praxen der Freien Berufe maßgeblich zum Erfolg bei. Da die Freien Berufe bedarfsgerecht ausbilden, ist bei guter Leistung eine Anschlussbeschäftigung so gut wie garantiert. Und auch nach dem Abschluss gibt es vielseitige Möglichkeiten zur Weiter- und Fortbildung, bis hin zum Studium. Ich habe großen Respekt vor den Auszubildenden und deren Ausbilderinnen und Ausbildern, die gerade in dieser Zeit diesen Schritt gemeinsam gehen, zum Wohl der gesamten Gesellschaft.«

Trend auf dem Ausbildungsmarkt zeigt nach oben
Bei allen Herausforderungen, die den aktuellen Ausbildungsmarkt prägen, hat die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge im laufenden Berufsberatungsjahr zugenommen.

Die Zahl der Ausbildungsverhältnisse im Bereich Industrie, Handel und Dienstleistung konnte bis Juli 2022 mit 48.191 eingetragenen Verträgen (Stand Juli) das Vorjahr um 2.353 Verträge oder 5,1 Prozent übertreffen.

Im Handwerk lag Ende Juli die Zahl der eingetragenen Ausbildungsverträge mit 18.320 relativ stabil im Vorjahrestrend.

Ein deutliches Plus verzeichneten die Kammern der Freien Berufe in NRW, mit 7.159 Verträgen (Ende Juni) lag die Zahl um 881 Verträge oder 11,0 Prozent über dem Wert des Vorjahres und sogar deutlich über der Zahl von 2019.

Zahl unversorgter Jugendlicher geringer als im Vorjahr
Einen Ausbildungsplatz suchen aktuell noch 26.074 junge Menschen. Von diesen haben 9.763 Jugendliche bereits eine Alternative für den Fall, dass sie die gesuchte Ausbildung nicht finden können. 16.311 Schülerinnen und Schüler haben aktuell noch keinen Ausbildungsplatz und bis jetzt auch noch keine Alternative, weshalb sie als „unversorgt“ gelten. Stellt man die unbesetzten Ausbildungsstellen und die unversorgten jungen Frauen und Männer rechnerisch einander gegenüber, kommen auf hundert unbesetzte Stellen derzeit 51 unversorgte Jugendliche. Vor einem Jahr waren es noch 69 unversorgte Jugendliche, vor zwei Jahren 82.

32.245 Ausbildungsstellen waren in NRW im August noch frei bzw. unbesetzt. Das waren 4.548 oder 16,4 Prozent mehr als vor einem Jahr. Vor zwei Jahren lag die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze zu diesem Zeitpunkt um 3.518 Stellen oder 12,2 Prozent niedriger.
Weitere Informationen:

Quelle:

Westdeutscher Handwerkskammertag
Volmerswerther Straße 79 | 40221 Düsseldorf
Tel.: (02 11) 30 07-700 | Fax: (02 11) 30 07-900
E-Mail: kontakt[ ät ]whkt.de

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