Das Handwerk zeigt sich stark in der Krise und nimmt selbstbewusst die großen Zukunftsthemen in den Blick

Veröffentlicht am 04.11.2020 11:08 von Redaktion

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| WHKT-Herbst-Vollversammlung am 30.10.2020: 

Foto: WHKT

Im Rahmen der Vollversammlung des Westdeutschen Handwerkskammertages (WHKT) haben die Spitzenvertreter der Handwerkskammern in NRW insgesamt drei Grundsatzpositionen für das Handwerk in NRW vereinbart: 1. Gleichwertigkeit beruflicher und akademischer Bildung, 2. Berufsorientierung im Rahmen des Systems „Kein Abschluss ohne Anschluss (KAoA)“ sowie 3. Ehrenamtliches Engagement.

Der aktuelle „Wellenbrecher-Lockdown“ stellt Wirtschaft und Gesellschaft, Politik und Kultur auf eine harte Probe. Es geht um Existenzen, um Ausbildungs- und Arbeitsplätze. Präsident Hans Hund betonte in seinem Bericht zur Lage des Handwerks, dass der WHKT sich mit ganzer Kraft für Betriebe in Not engagiere. Insbesondere das erneut von weitgehender Schließung betroffene Kosmetiker-Handwerk brauche schnelle Hilfen.

Gleichzeitig betonte Hund, dass das nordrhein-westfälische Handwerk in dieser Krise entscheidende Stütze der Wirtschaft sei. „Die wirtschaftliche Lage ist in den allermeisten Betrieben nach wie vor stabil. Das Handwerk bleibt Motor für Arbeits- und Ausbildungsplätze. Nirgendwo finden junge Leute derzeit bessere und sichere Perspektiven als im Handwerk“, so Hund.

Deswegen galt der Schwerpunkt der Vollversammlung neben dem Corona-Krisenmanagement vor allem der Blick in die Zukunft. „Auf die Themen Fachkräftesicherung, Digitalisierung und Nachhaltigkeit kommt es in den kommenden Jahren entscheidend an. Wir müssen jetzt die Weichen stellen, damit wir gut aus der Krise und sicher in die Zukunft kommen. Das Handwerk hat dabei allen Grund, optimistisch zu sein“, erklärte Matthias Heidmeier, Hauptgeschäftsführer des WHKT.

Um die Zukunft in diesen Bereichen erfolgreich zu gestalten, haben sich die Mitglieder der WHKT-Vollversammlung – die Spitzenvertreter der Handwerkskammern in NRW –  per Videokonferenz abgestimmt, drei Grundsatzpositionen für das Handwerk entwickelt und diese verabschiedet.

1. Für die Gleichwertigkeit beruflicher und akademischer Bildung

Junge Menschen, die sich heute für eine betriebliche Ausbildung im Handwerk entscheiden, erwerben umfangreiche berufliche Handlungs- und Problemlösungskompetenzen und können im Anschluss weitere wichtige Karrierestufen meistern, bis hin zur beruflichen Selbstständigkeit oder auch in die Führungsetage des Mittelstands. Nach wie vor ist das Berufsbildungssystem im Handwerk allerdings benachteiligt. Benachteiligt gegenüber schulischen oder hochschulischen Bildungsgängen. Diese werden finanziell und strukturell in umfangreichem Maße von Bund, Ländern und Kommunen gefördert. Damit es hier zu einem Mehr an Gleichbehandlung kommt und zwischen der beruflichen und (hoch-)schulischen Bildung die notwendige Gleichwertigkeit hergestellt wird, hat die Vollversammlung des WHKT zehn Maßnahmen verabschiedet. Von der Schaffung eines Berufsbildungspaktes, über die Förderung von Azubiwohnheimen, bis hin zur Begabtenförderung und der Gleichberechtigten Berücksichtigung der Abschlüsse.

Link zur Position: https://www.whkt.de/fileadmin/user_upload/whkt/downloads/whkt-stellungnahmen-positionen/30-10-2020_WHKT-Position-Beschlussvorlage-Gleichwertigkeit.pdf

2. Das Handwerk steht zum systematischen Übergang von der Schule in den Beruf! – „Kein Abschluss ohne Anschluss“ (KAoA) 

Der Übergang von dem Schul- in das Berufsbildungssystem sollte sich vor allem daran ausrichten, welche Talente Schülerinnen und Schüler mitbringen sowie welche beruflichen Wünsche oder Interessen vorliegen. Diese lassen sich allerdings nur bedingt durch gute Berufsinformationen, Beratungen oder sonstige Medien und Formate identifizieren. Letztlich sind es die persönlichen Erlebnisse in der betrieblichen Praxis, die ein echtes Empfinden darüber vermitteln, ob der Beruf passt und ob die berufliche Wirklichkeit den jeweiligen Vorstellungen entsprechen. Das KAoA-System unterstützt genau dies. Es ermöglicht Schülerinnen und Schülern frühzeitig, auch die unternehmerische Praxis kennenzulernen, persönliche Erfahrungen zu sammeln und festzustellen, was am besten passt.

Das Handwerk in NRW hat in seiner KAoA-Position unterstützende Verbesserungsvorschläge für den Übergang von der Schule in den Beruf festgehalten, vor allem aber richtet es auch einen Appell nach innen. Handwerksbetriebe und -organisationen sollen sich stärker mit Praxisangeboten beteiligen, damit KAoA seinen Erfolg stärkt.

Link zur Position: https://www.whkt.de/fileadmin/user_upload/whkt/downloads/whkt-stellungnahmen-positionen/30-10-2020_WHKT-Position-KAoA-Position_2.pdf

3. Für ehrenamtliches Engagement im Handwerk

„Das Fundament sichern. Das Handwerk stärken.“ lautet das Motto der Grundsatzposition „Ehrenamt“ der WHKT-Vollversammlung. Hintergrund ist, dass die tiefe ehrenamtliche Verankerung von Arbeitgeber*innen und Arbeitnehmer*innen in den Gremien und Ausschüssen der handwerklichen Selbstverwaltung Garant für praxisorientierte Entscheidungen ist. Gerade in der aktuellen Corona-Krise zeigt sich, wie schnell und direkt die ehrenamtliche Beteiligung dafür gesorgt hat, dass die betrieblichen Auswirkungen der Pandemie gegenüber Politik und Verwaltung deutlich werden. Trotzdem fällt es zunehmend schwerer, ehrenamtliche Positionen mit jungen Handwerkerinnen und Handwerkern zu besetzen. Gerade junge Frauen sowie Menschen mit Zuwanderungserfahrung sind im handwerklichen Ehrenamt deutlich unterrepräsentiert. Die WHKT-Vollversammlung hat in seiner Grundsatzposition für das handwerkliche Ehrenamt den Beschluss gefasst, Maßnahmen einzuleiten, die das Ehrenamt stärken und junge Handwerkerinnen und Handwerker an die ehrenamtlichen Aufgaben besser heranführt. Hierzu gehört die Etablierung einer Ehrenamtsakademie des Handwerks in NRW (EAH), für dessen finanzielle Förderung gleichfalls das Wirtschaftsministerium in NRW gewonnen werden konnte.

Link zur Position: https://www.whkt.de/fileadmin/user_upload/whkt/downloads/whkt-stellungnahmen-positionen/30-10-2020_WHKT-Position-Grundatzposition-Ehrenamtliches-Engagement2.pdf

Neben der Verabschiedung der Grundsatzpositionen stand der Dialog der WHKT-Vollversammlung mit Staatssekretär Christoph Dammermann aus dem NRW-Wirtschaftsministerium im Mittelpunkt. Inhalte des Gesprächs waren die großen Themen von morgen: Digitalisierung und Außenwirtschaft, Fachkräftesicherung und selbstverständlich die gemeinsame Bewältigung der Corona-Krise. Auf eine enge Partnerschaft zwischen Wirtschaftsministerium und Handwerkskammern wird es nach Überzeugung beider Seiten weiterhin ankommen.

 

Westdeutscher Handwerkskammertag
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