RWI – Leibniz-Institut legt Konjunkturbericht „NRW-Wirtschaft 2026

Nach drei Jahren Stillstand bekommt die Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen wieder Rückenwind. Das RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung erwartet für die nordrhein-westfälische Wirtschaft in diesem Jahr ein Wachstum von 0,9 Prozent, ähnlich wie für Deutschland insgesamt (1,0 Prozent).

Die Auftragszahlen steigen, die Erwartungen der Unternehmen hellen sich allmählich in allen Wirtschaftszweigen auf. Die Beschäftigung entwickelt sich weiterhin überdurchschnittlich gut: Insgesamt sollen laut RWI-Prognose 2026 in NRW etwa 36.000 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen – ein Plus von 0,5 Prozent (+0,3 Prozent im Bund). Auch die Arbeitslosigkeit sinkt 2026 spürbar von 7,8 auf 7,6 Prozent und damit etwas schneller als im Bundesdurchschnitt (von 6,3 auf 6,2 Prozent).

Wirtschafts- und Klimaschutzministerin Mona Neubaur: „Ein echter Aufschwung fühlt sich anders an. Zwar kommen wir wieder in Bewegung – aber wir sind noch nicht im Sprint, sondern im Anlaufen. Wir haben als Landesregierung entschieden und vorgelegt: Mit dem NRW-Plan investieren wir in den nächsten 12 Jahren pragmatisch über 30 Milliarden Euro, vor allem um Städte und Gemeinden zu entlasten. Wenn Schulen bröckeln, Brücken gesperrt sind und Busse nicht fahren, leidet nicht nur der Alltag – sondern auch die Wirtschaft.“

Konflikte und Machtspiele, Zölle, zunehmender Protektionismus, Nationalismus und unfaire Handelspraktiken bremsen den Export.  Ein Teil der positiven Entwicklung kommt zudem aus staatlichen Investitionen, nicht aus eigener wirtschaftlicher StärkeUnd: Hohe Energiepreise und bürokratische Lasten bremsen weiteren Aufschwung ab.

„Mit unseren Beschleunigungs- und Entlastungspaketen reduzieren wir Berichtspflichten, vereinfachen Genehmigungen und automatisieren Förderungen. Weniger Bürokratie ist das günstigste Konjunkturprogramm. Wer wettbewerbsfähige Industrie will, muss aber auch wettbewerbsfähige Energiepreise liefern. Nicht der Strom selbst ist zu teuer – sondern Steuern und Netzentgelte. Vom Bund erwarte ich daher eine Stromsteuersenkung für alle, schnellere Netze und Speicher sowie eine klare Kraftwerkstrategie“, so Ministerin Neubaur weiter.

Ralf Stoffels, Präsident IHK NRW: „Der Start in das Jahr 2026 war für viele Unternehmen schwierig. Hohe Arbeits- und Energiekosten sowie die Unsicherheiten im Außenhandel belasten die Konjunktur. Immerhin: Nach sechs Jahren des Abschwungs stabilisiert sich die Lage zu Jahresbeginn auf niedrigem Niveau. Gleichzeitig zeigen zahlreiche Betriebe mit Innovationskraft, Investitionsbereitschaft und unternehmerischem Mut, dass in dieser Phase auch neue Chancen für nachhaltiges Wachstum entstehen können. Eine schnelle Rückkehr zum alten Normal ist nicht in Sicht. Die NRW-Wirtschaft braucht einen Vorrang für Innovation und Wachstum, statt Diskussionen über Steuererhöhungen. In der fragilen Lage brauchen unsere Unternehmen Rückenwind aus der Wirtschaftspolitik, damit sie für die Zukunft planen und ins Risiko gehen können.“

Prof. Dr. Torsten Schmidt, Konjunkturexperte des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung: „In Nordrhein-Westfalen mehren sich die Zeichen einer wirtschaftlichen Erholung. Trotzdem halten hohe Energiepreise und regulatorische Unsicherheit die Unternehmen in Atem. Hinzu kommt die politische Debatte über höhere Steuern, die das Investitionsklima dämpft. Staatliche Programme können zwar Impulse geben, aber sie ersetzen auf Dauer keine durchgreifenden Strukturreformen für ein sich selbst tragendes Wachstum. Dabei hat NRW gute Voraussetzungen für den wirtschaftlichen Aufschwung: Das Land verfügt über eine starke industrielle Basis, gut ausgebildete Fachkräfte und eine innovative Forschungslandschaft.“

Roland Schüßler, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit: „Am NRW-Arbeitsmarkt ist eine Erholung, aber noch kein Aufschwung in Sicht. Es wirkt paradox, aber trotz hoher Arbeitslosigkeit nimmt der Mangel an Fachkräften zu. Verschärft wird dies durch die fortschreitende demografische Entwicklung. Wenn wir also nachhaltig die Weichen auf Veränderung stellen wollen, müssen wir hier gemeinsam handeln. Chancen und Potenziale sind da. Wir haben in NRW über 100.000 Fachkräfte, die dem Arbeitsmarkt ohne Einschränkung zur Verfügung stehen. Auch in den Betrieben gibt es viele gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die man zu Fachkräften qualifizieren kann. Sorge bereitet uns der Ausbildungsmarkt. Die Ausbildung von Nachwuchs darf nicht nachlassen. Sollten aktuell Ressourcen für Auszubildende fehlen, könnte mit einer Einstiegsqualifikation ein erster Schritt gemacht werden. Jedes Engagement ist hier und auch für NRW zentral. Ein Weg wäre, um ein neues, stabiles Fundament für einen dauerhaften und nachhaltigen Aufschwung zu legen, dass wir uns in NRW zu einem Bündnis für Arbeit zusammenschließen.“

Das RWI – Leibniz Institut für Wirtschaftsforschung veröffentlicht im Auftrag des Wirtschafts- und Klimaministeriums jährlich drei Konjunkturberichte. Der aktuelle Bericht liefert eine aktualisierte Jahresprognose für die nordrhein-westfälische Wirtschaft für 2026 und eine Schätzung für das zurückliegende Jahr 2025. IHK NRW stellt dazu die aktuellen Ergebnisse der IHK-Konjunkturumfragen für Nordrhein-Westfalen zur Verfügung.

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